Was machst du am Podcasten am liebsten und was ist das nervigste?
21 von 30 Gästen haben geantwortet.
Wiederkehrende Muster
- Gespräche & Begegnungen — Alexander Karls, Dela, Kai Rohde, Leni Bohrmann, Nella Rausch, Philipp Müllender
- Recherche & Vorbereitung — Franziska von Lehel, Leni Bohrmann, Nella Rausch, Rebecca van der Meyden, Stephanie Fischer
- Sendegate-Community — Alexander Waschkau, Philipp Müllender, Sascha Gottschalk
- Schnitt-Erlebnis — Leni Bohrmann, Rebecca van der Meyden, Sascha Gottschalk
- Hörer-Feedback — Kai Rohde, Patrick Lohmeier
- Social Media & Vermarktung — Heike Drexel, Yvette Philippens
- Shownotes & Aufbereitung — Rebecca van der Meyden, Stefan Giesbert
Alle Antworten
Johannes Wolf (Ep 1)
Liebt das niedrigschwellige Medium – mit wenig Mitteln kann man enorm viel rausholen, anders als bei Film-/TV-Produktionen, die durchgetaktet sind. Mikros aufstellen, reden, und etwas Einzigartiges entstehen lassen – das ist sein Antrieb.
„Aus so einem Format, wir können Mikrofone aufstellen und miteinander reden, was rauszuholen, was man so bisher noch nie erlebt hat."
Leni Bohrmann (Ep 3)
Mag den Schnitt – findet ihn meditativ (Kakao bei Regen, Gespräch nochmal hören). Am liebsten sind die Begegnungen selbst, gerade in der Pandemie als Theaterleute nicht arbeiten konnten. Liebt es, in fremde Welten zu schauen (z.B. Opernsängerinnen). Anstrengend: die Vorbereitung, weil sie einen klaren Kopf braucht zum Einschwingen auf eine Person.
„Ich finde das irgendwie sehr meditativ und freue mich dann auch immer noch mal das Gespräch zu hören in einem ganz anderen Zusammenhang."
Tanja (Ep 5)
Am liebsten der Austausch über Themen – verschiedene Perspektiven sich entfalten zu sehen. Bei Vier unter Deck oft vier verschiedene Meinungen, die dann zusammenkommen. Findet es spannend, anderen ‘in den Kopf zu schauen’ bei Indie-Podcasts. Begleitendes Rewatchen (z.B. Star Wars, das sie weniger kannte) bereichert sie.
„Sich das so zu erarbeiten, das finde ich total spannend daran. […] Die unterschiedlichen Denkweisen und die Welt-Sicht von Leuten."
Patrick Lohmeier (Ep 6)
Beim James-Bond-Jahr 2015 verlor er die Hälfte der Hörerschaft – stört ihn nicht. ‘Wir machen das für umsonst.’ Negativ: Hass-Kommentare und ‘unprofessionelles Scheißgelaber von neunmal klugen Besserwessern’ auf Amazon-Rezensionen seiner Bücher. Plädiert: wenn man etwas nicht mag, einfach nichts hinterlassen statt böse Kommentare. Verständlich nur bei großen kommerziellen Produktionen.
„Wir machen das aus Spaß und Freude."
Arne Ruddat (Ep 8)
Nervig: Terminfindung, Technikprobleme (Delay-Versätze), Webseitenkram (WordPress aktuell halten), Werbung machen. Funktioniert ohnehin nicht – nur Mundpropaganda wirklich. Liebt am Podcasten: es ist Therapie und Wohlfühlzeit mit Freunden, Gespräche über gemeinsame Themen.
„Es ist für mich Therapie. […] Das ist halt absolute Wohlfühlzeit, die Aufnahmen von Podcasts zu machen."
Dela (Ep 9)
Liebt die Breite der Menschen, die das Medium erreicht – verschiedene Lebensrealitäten, Berufe, Altersgruppen, Behinderungen, sexuelle Orientierungen. Das Internet ist ihre ‘Kneipe’ (kommt aus Gründen wenig raus). Trifft Menschen, die sie sonst nie kennenlernen würde (60-Jährige als Au-pair nach Ägypten). Nervig sind nur 2000-Seiten-Belanglosigkeit-Bücher, an denen sie sich durchquälen muss. Mit Lebendmaus-Vandalismus und einer Folge aus der Badewanne (gemutet aufgenommen) hat sie alles erlebt – aber Wichtiges ist nie verloren gegangen.
„Internet-TM ist halt meine Kneipe, kann man sagen. […] Die Leute wollen ja reden."
Alexander Karls (Ep 10)
Mag den entstehenden Dialog, wenn nervöse Gäste plötzlich sie selbst werden und die Aufnahme vergessen. Nervig: miese Audioqualität (er verschickt sogar ein Leih-Mikrofon mit Rücksendeschein an Gäste) und unterschiedliche Lautstärken bei Werbung – besonders ärgerlich bei Bratwurst und Baklava (RTL plus), wo das nicht passieren dürfte.
„Wenn du dann spürst, dass auf einmal die Leute vergessen haben, dass das gerade aufgezeichnet wird und dann wirklich sie selber werden, das ist einfach fantastisch."
Michèle Liussi (Ep 11)
Liebt die Gespräche – sie geht jedes Mal ‘on fire’ raus. Eigentlich introvertiert, beim Podcasten keine Hemmungen. Hat sie verändert – sie sucht jetzt auch außerhalb Kontakt zu Gleichgesinnten. Nervig: Nachbearbeitung, Hochladen, Multi-Plattform-Klickerei. Social Media kann sie nicht gut. Lösung: Ihr Mann übernimmt Schnitt, Katharina Social Media – aufgeteilt nach Vorlieben.
„Ich gehe jedes Mal komplett on fire aus den Gesprächen raus."
Stefan Giesbert (Ep 12)
Nervt: Show-Notes-Erstellen, Tags schreiben (vergisst er absichtlich), wiederkehrende Klick-Routinen zwischen Ultraschall, Dropbox, Auphonic. Liebt: den Austausch mit Freunden im Sneak-Pod (sonst sieht man sich kaum als Erwachsene), Vernetzung mit anderen Podcastern (Christian, der über Podappler kennengelernt wurde, ist jetzt sein 2-Papas-Co-Host), Cocktail-Erkennung in Bars zur Cocktail-Podcast-Zeit.
„Den ganzen Computer das nicht automatisch [machen kann], […] das ist das, was mich halt schon irgendwie ja nervt und langweilt."
Franziska von Lehel (Ep 13)
Liebt das Einarbeiten in Themen, Recherche, Meinungsbildung im Diskurs. Großer Verfechter von Meinungsvielfalt. Anfangs nervte sie die Aufnahme selbst – sie mochte ihre Stimme nicht, versprach sich viel. Es hat ein Jahr gedauert, bis es ihr Spaß machte. Hat ihr Skript-System gefunden: nicht 1:1 ablesen, sondern leicht abweichen für Lebendigkeit.
„Wir sind uns einfach einig in unserer Uneinigkeit. Das ist völlig okay."
Stephanie Fischer (Ep 14)
Nervigste Arbeit: Hall aus Tonspuren rausnehmen (‘ich hasse Hall’). Daher schaffen sie von vornherein eine gute Basis. Am liebsten: Themenrecherche und das Sprechen am Mikro (Rampensau-Modus). Eines ist technisch, eines mental.
„Ich hasse Hall, wirklich, ich hasse es, den Hall rauszunehmen."
Philipp Müllender (Ep 15)
Am liebsten Spielfreude im Gespräch – wenn Gäste mitgehen und sich gegenseitig hochspielen (Beispiel: ausgedachte ‘Einhüner’ im Privatzoo). Community rund um Sendegate ist genial. Postproduktion immer noch ätzend, Gäste suchen ein Dauer-Thema. Gar nicht ausstehen: Facebook-Podcast-Gruppen mit Möchtegern-Profis, die Einsteigern unangemessene Ansprüche stellen (’erst 500 Folgen aufnehmen, bevor du veröffentlichst’).
„Diese Facebook Podcast Gruppen sind teilweise sowas von daneben."
Yvette Philippens (Ep 19)
Aus Podcasterin-Sicht: nichts nervt sie. ‘Mein Herz schlägt für Podcasts.’ Als Dienstleisterin nervt: Kunden sehen den Wert oft nicht – Podcasts sind im Marketing oft das Erste, was wegbricht, weil Geduld nötig ist und Erwartungen unrealistisch sind.
„Mein Herz schlägt für Podcasts und dementsprechend ist das, da ist nichts nerviges dran."
Kai Rohde (Ep 20)
Liebt es, viele Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören – 50 Persönlichkeiten und Lebensgeschichten pro Jahr. Sein Antrieb: Hörer schreiben, dass sich ihr Leben verändert hat durch seinen Podcast. Nervig: Gästekötern – kaum jemand meldet sich von selbst. Außerdem: er vergisst manchmal, das richtige Mikro umzustellen und nimmt mit dem schlechten Kopfhörer-Mikro auf. Hat sich Checkliste wie ein Pilot gebaut.
„Ich muss da immer hinterherkötern, um Leute zu finden, die dann mit mir sprechen wollen."
Sascha Gottschalk (Ep 21)
Mag den Austausch mit den treuen Hörern und der Podcast- und ESC-Community (z.B. Subscribe-Konferenz). Schätzt die Zeitsouveränität. Nervig: Schnitt manchmal anstrengend (wird besser mit Routine), und besonders die zerfallende Social-Media-Landschaft – früher waren alle auf Twitter, jetzt verteilt sich alles, was die Hörer-Reach schwierig macht.
„Social Media […] klastert sich leider sehr stark auseinander."
Christiane Attig (Ep 22)
Sie prokrastiniert eher mit dem Schnitt – kann nicht in kleinen Häppchen arbeiten wie ihr Daniel-Co-Host, sondern braucht den durchgehenden Flow. Wenn sie angefangen hat, zieht sie es am Stück durch. Bittet: nimmt euch kein Vorbild an mir, was die Anzahl parallel betriebener Podcasts angeht.
„Wenn ich dann angefangen habe, dann kann ich es auch durchziehen."
Heike Drexel (Ep 23)
Liebt am liebsten die Gespräche und das Zuhören (Dalai-Lama-Zitat: wenn du sagst, wiederholst du; wenn du zuhörst, lernst du Neues). Nervig: Content-Vermarktung, wenn sie zum Muss wird – Schreiben macht Spaß, aber zwingend zum Veröffentlichungstermin koordiniert zu sein, ist Stress. Lösung: Sie ist auf monatliche Veröffentlichung (erster Freitag) umgestiegen für Qualität statt Quantität.
„Wenn du etwas sagst, dann wiederholst du nur das, was du sowieso schon weißt. Aber wenn du zuhörst, dann kannst du noch Neues erfahren."
Soenke Scharnhorst (Ep 25)
Hört und schneidet gerne, lebt mit dem Zeitaufwand. Würde aber Social Media komplett abgeben – hat keinen Account, plädiert für E-Mails und Kommentare. Twitter hat er vor X-Umbenennung verlassen. Nutzt RSS-Aggregator statt sozialer Medien. Weiß: Social Media würde Boost geben, kriegt es nicht hin – auch keine helfende Person gefunden.
„Ich bin ein RSS-Mensch."
Nella Rausch (Ep 26)
Liebt das Gespräch und die Vorbereitung dazu – Recherche und ca. 20 Fragen vorbereiten. Gäste-Stoppen ist ihre größte Hürde (Menschen, die viel erzählen) – ist Fragetechnik-Sache. Wirft ihre Regie oft über den Haufen, wenn sich ein organisches Gespräch ergibt. Plädoyer: nie ohne Vorbereitung in ein Gespräch oder Interview.
„Ich bin immer wieder aufgeregt, weil […] wenn das dann erstmal läuft und du bist in diesem Gespräch drin, dann macht das so einen Spaß."
Alexander Waschkau (Ep 27)
Hat auch Hater abbekommen wegen Themenauswahl oder Gendern. Plädiert: ‘Wenn dir nichts gefällt, ignorier es einfach’ – Bambi-Zitat. Wertschätzt die Community, die das Konzept versteht, schätzt, dass man sich aussuchen kann, was man hört. Schützt Privatsphäre bis zu einem gewissen Grad, schon wegen umstrittener Themen (Verschwörungsmythen).
„Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann sollte man den Mund halten."
Rebecca van der Meyden (Ep 29)
Früher: liebte den Moment des Sprechens. Heute: ist großer Fan vom Audioschnitt geworden – Teilsatz rauszuschneiden mit minimalem Technikwissen ist Erfolgserlebnis. Nervig: die Vorbereitung (Termine, Gäste-Suche) fühlt sich groß an, bevor es losgeht. Show Notes sind wichtig (auch beruflich SEO-relevant – Audio wird nicht von Suchmaschinen indiziert).
„Audioschnitt ist mittlerweile, auch wenn es aufwendig ist und man immer viel Zeit und Ruhe dafür braucht, ich liebe mittlerweile Audioschnitt."
